DeepSeek hat nach Angaben von Bloomberg rund 15 Milliarden Dollar eingesammelt, eine der größten Finanzierungsrunden der chinesischen KI-Geschichte. Sie fällt in dieselbe Woche, in der Washington den Bundesbehörden den Ausstieg aus der Technologie des Unternehmens verordnet hat.
Was Bloomberg über die DeepSeek-Runde berichtet
Die Meldung kam am Mittwoch aus Hongkong und New York zugleich. Bloomberg berichtet unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, DeepSeek habe in seiner jüngsten Finanzierungsrunde etwa 15 Milliarden Dollar eingesammelt, umgerechnet rund 100 Milliarden Yuan. TechCrunch hat die Angaben am selben Tag aufgegriffen.
DeepSeek selbst hat sich nicht geäußert. Das Unternehmen reagierte nicht auf eine Anfrage von TechCrunch. Alle Zahlen in diesem Text stammen daher aus der Berichterstattung und nicht aus einer Mitteilung des Unternehmens. Wer die Runde bewertet, sollte diesen Unterschied im Kopf behalten.
Warum die Summe höher liegt als ursprünglich geplant
Die Größenordnung überrascht auch deshalb, weil sie über dem liegt, was in den Monaten zuvor im Gespräch war. Im Juni schloss DeepSeek eine Runde über mehr als 7 Milliarden Dollar ab, damals zu einer Bewertung von 50 Milliarden Dollar. Im Juli verhandelte das Unternehmen nach Berichten über weitere 1,5 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund 71 Milliarden Dollar.
Nun also 15 Milliarden. The Tech Portal schreibt, DeepSeek habe damit sein ursprüngliches Ziel verdoppelt. Für ein Unternehmen, das seine Modelle überwiegend offen oder sehr günstig anbietet, ist das eine bemerkenswerte Summe. Sie sagt weniger über den aktuellen Umsatz aus als über die Erwartung der Geldgeber, dass Rechenkapazität und Modellqualität in den nächsten zwei Jahren über die Marktposition entscheiden.
Der Zeitpunkt: Washington ordnet das Entfernen an
Zwei Tage vor der Meldung, am 20. Oktober, wies die US-Regierung die zivilen Bundesbehörden an, die Technologie von DeepSeek aus ihren Systemen zu entfernen. Zur Begründung nannte sie Sicherheitsbedenken. Es ist dieselbe Art von Anordnung, die in den vergangenen Jahren mehrfach gegen chinesische Anbieter erging, und sie trifft DeepSeek an einer empfindlichen Stelle: beim Zugang zu großen Kunden.
Die zeitliche Nähe ist der eigentliche Kern dieser Geschichte. Ein Unternehmen, dem der größte Markt für Cloud- und Behördenkunden teilweise verschlossen wird, sammelt in derselben Woche das größte Kapital seiner Geschichte ein. Für Investoren in China liest sich das als Wette auf den heimischen Markt und auf Exportmärkte, in denen US-Vorgaben keine Rolle spielen.
Eine Wette mit politischem Risiko.
Wer bei DeepSeek einsteigt
Bloomberg nennt den Batteriehersteller CATL und den Tencent-Konzern, der unter anderem WeChat betreibt, als mögliche Investoren. Weitere Namen kursieren in der Berichterstattung, darunter der Chiphersteller GigaDevice und der Essenslieferant Meituan, außerdem bestehende Anteilseigner. Diese Angaben sind nicht bestätigt und sollten als das gelesen werden, was sie sind: Berichte.
Die Mischung ist aufschlussreich. CATL steht für Industrie und Energie, Tencent für Plattformen und Inhalte, GigaDevice für Halbleiter. Es sind keine reinen Finanzinvestoren, sondern Unternehmen, die selbst Rechenzentren, Chips oder digitale Dienste betreiben, und wer in dieser Größenordnung einsteigt, sucht in der Regel mehr als eine Rendite: Zugang zu Modellen, Rechenkapazität oder Partnern.
Was DeepSeek mit dem Geld macht
Nach der Darstellung von Bloomberg fließt das Kapital in KI-Infrastruktur und in offene Modelle, für den chinesischen Markt und für internationale Kunden. Das ist die wenig überraschende, aber entscheidende Information. DeepSeek ist nicht der Anbieter, der seine Modelle hinter einer teuren API versteckt. Das Unternehmen hat seinen Ruf mit offenen Gewichten und niedrigen Preisen aufgebaut.
Für Entwickler außerhalb Chinas ist das der Punkt, an dem die Finanznachricht praktisch wird. Wenn DeepSeek mehr Rechenkapazität aufbaut, kann es größere Modelle trainieren und gleichzeitig die Preise niedrig halten. Genau dieser Preisdruck hat in den vergangenen zwei Jahren die Kalkulation vieler Teams verändert, die eigentlich bei einem US-Anbieter bleiben wollten. Ein besser finanziertes DeepSeek dürfte diesen Druck eher erhöhen als senken.
Die zweite Folge betrifft die Auswahl. Wer heute ein Modell für ein Produkt auswählt, achtet nicht nur auf Benchmark-Werte, sondern auch darauf, ob der Anbieter in zwei Jahren noch erreichbar ist, und eine Runde dieser Größe verlängert diesen Horizont, zumal das Unternehmen laut Berichten einen Börsengang in Shanghai vorbereitet.
Wie sich die Runde in den chinesischen Markt einfügt
Der Vergleich mit anderen chinesischen Anbietern zeigt, wie schnell sich die Bewertungen verschoben haben. Moonshot AI sammelte im Mai 2 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar ein. Manus AI kam Anfang Oktober auf mehr als 500 Millionen. Zhipu und MiniMax wiederum gingen im Januar in Hongkong an die Börse und kamen Mitte Oktober auf Marktwerte von rund 29 beziehungsweise 7,2 Milliarden Dollar.
Diese Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und sind nicht direkt vergleichbar, weil private Bewertungen und Börsenkurse verschiedene Dinge messen. Die Richtung ist trotzdem erkennbar. Kapital fließt in China derzeit bevorzugt an Anbieter mit eigenen Modellen und eigener Infrastruktur, nicht an Anwendungen, die auf fremden Modellen aufsetzen. DeepSeek sitzt genau in diesem Segment, und das erklärt einen Teil des Interesses.
Was bis zum Börsengang offen ist
Wie hoch ist DeepSeek nach dieser Runde bewertet?
Über die Bewertung der aktuellen Runde schweigen die Berichte. In früheren Runden war von 50, dann von 71 Milliarden Dollar die Rede, zuletzt von einer Pre-Money-Bewertung um 74 Milliarden. Wer jetzt 15 Milliarden Dollar einsammelt, wird kaum billiger bewertet sein.
Offen ist auch, wie das Unternehmen mit der US-Anordnung umgeht. DeepSeek hat seinen Hauptsitz in Hangzhou und wurde 2023 von Liang Wenfeng gegründet, der zuvor den Quantitative-Hedgefonds High-Flyer mitaufbaute. Nach Angaben von WireScreen hält Liang rund 81,6 Prozent an der chinesischen Betreibergesellschaft. Ein Börsengang in Shanghai würde diese Struktur ohnehin verändern.
Bis dahin bleibt eine einfache Beobachtung. Die politische und die finanzielle Logik laufen bei DeepSeek gerade in entgegengesetzte Richtungen, und für den Moment gewinnt das Geld. Ob das ein Jahr so bleibt, hängt weniger an Benchmark-Tabellen als an Entscheidungen, die in Washington und Peking getroffen werden. Wer DeepSeek-Modelle einsetzt, sollte deshalb einen Plan B für den Fall haben, dass der Zugang eines Tages komplizierter wird.







