Laut Financial Times hat OpenAI Investoren mitgeteilt, sein annualisierter Umsatz liege bei knapp 50 Milliarden Dollar. Das sind rund 20 Milliarden weniger als zuvor berichtet, doch der Vergleich mit Anthropic hinkt.
OpenAI Umsatz: was hinter der 20-Milliarden-Lücke steckt
Über Umsatzzahlen von OpenAI wird viel berichtet, aber selten mit klarer Herkunft. Am 8. Oktober 2026 brachte die Financial Times eine Zahl ins Spiel, die einen erheblichen Unterschied macht. Demnach hat OpenAI Investoren mitgeteilt, sein annualisierter Umsatz nähere sich 50 Milliarden US-Dollar. Wenig mehr als eine Woche zuvor war von knapp 70 Milliarden die Rede gewesen.
Der annualisierte Umsatz ist eine Hochrechnung: Man nimmt den Umsatz eines kurzen Zeitraums und rechnet ihn auf ein Jahr hoch. Er zeigt also ein Tempo, keine abgeschlossene Bilanz. Die 50 Milliarden sind kein offiziell geprüftes Ergebnis, sondern eine Angabe, die laut Medien an Investoren ging. OpenAI selbst hat sich zu der Zahl nicht öffentlich geäußert. TechCrunch bat um eine Stellungnahme und erhielt zunächst keine Antwort.
Warum OpenAI und Anthropic nicht vergleichbar sind
Der wichtigere Teil der Geschichte steckt in der Herkunft der alten Zahl. Die 70 Milliarden stammten nicht von OpenAI direkt, sondern gehen laut Financial Times auf Versuche der eigenen Investoren zurück, einen direkten Vergleich mit dem annualisierten Umsatz von Anthropic herzustellen. Die beiden Firmen rechnen aber unterschiedlich. Anthropic zählt Verkäufe mit, die über seine Cloud-Partner laufen. OpenAI tut das nicht. Ein direkter Vergleich der beiden Zahlen sagt deshalb weniger über den Erfolg der Firmen als über die Buchhaltung.
Für Leser ist das die zentrale Einordnung. Wann sind zwei Umsatzzahlen überhaupt vergleichbar? Wenn zwei Unternehmen ihre Einnahmen nach verschiedenen Regeln hochrechnen, lässt sich aus einem einzigen Vergleich nicht ablesen, wer im Wettbewerb vorne liegt. Die berichteten 20 Milliarden sind damit kein Einbruch, sondern die Korrektur einer Zahl, die aus einer ungleichen Gegenüberstellung entstanden war, bei der zwei völlig unterschiedlich definierte Größen einfach nebeneinandergestellt wurden.
Ein Umsatz, viele Geschichten: die geprüften Zahlen von OpenAI
Die berichteten Zahlen lagen schon früher weit auseinander, weil die Quellen unterschiedlich sind. In geleakten Finanzzahlen aus dem Jahr 2025 war von rund 13 Milliarden Dollar Umsatz die Rede, bei deutlich höheren Ausgaben. Für 2026 kursierten in Medienberichten unterschiedliche Größenordnungen, teils um die 30 Milliarden Dollar mit einem Verlust in ähnlicher Höhe. Diese Angaben stammen aus Modellen, Berichten und geleakten Unterlagen. Eine offizielle Aufstellung gibt es nicht.
Sicher ist dagegen etwas anderes: Der Kapitalbedarf ist enorm. Allein in einer Finanzierungsrunde im März 2026 sammelte OpenAI laut eigenen Angaben 122 Milliarden Dollar ein. Solche Summen erklären, warum die Umsatzfrage so sensibel ist. Investitionen in dieser Höhe lassen sich nur rechtfertigen, wenn die Einnahmen entsprechend schnell steigen. Ein Börsengang, der zwischenzeitlich für dieses Jahr erwartet wurde, ist laut Medien auf Anfang 2027 verschoben worden.
Was die Zahl für Nutzer und Beobachter bedeutet
Für einzelne Nutzer ändert die berichtete Zahl am Produkt nichts. ChatGPT funktioniert weiter. Keine Panik also. Die Preise und Tarife bewegen sich nicht wegen einer Hochrechnung. Relevant ist die Frage für die Richtung des Unternehmens. Steigt der Umsatz langsamer als gedacht, wächst der Druck, Kosten zu senken, Preise anzupassen oder Geldgeber weiter von der Geschichte zu überzeugen, und jede dieser Optionen hätte früher oder später Folgen für das, was Nutzer für ihr Geld bekommen.
Interessant ist auch die Wirkung auf den breiteren Markt. Als die Zahl bekannt wurde, gerieten laut Medien einzelne Technologieaktien unter Druck, darunter Nvidia und Oracle. Das zeigt, wie stark die Erwartungen an die KI-Branche an einem einzigen Umsatzwert hängen, den niemand offiziell bestätigt hat und der doch binnen Stunden Milliarden an Börsenwert verschieben kann. Eine Zahl, die niemand offiziell bestätigt hat, kann Kurse bewegen. So funktioniert dieser Markt derzeit.
Worauf man bei den nächsten Zahlen achten sollte
Wer die Entwicklung verfolgen will, sollte auf drei Dinge achten. Erstens auf die Quelle einer jeden Zahl: eine Angabe an Investoren ist keine geprüfte Bilanz, sondern eine Momentaufnahme, die sich jederzeit wieder ändern kann. Zweitens auf die Rechenweise: annualisierter Umsatz ist eine Hochrechnung und bei OpenAI und Anthropic unterschiedlich definiert. Drittens auf die Bestätigung durch das Unternehmen selbst. Zu den berichteten 50 Milliarden liegt bisher keine offizielle Aussage vor.
Die berichtete Lücke von 20 Milliarden klingt dramatisch, ist aber vor allem ein Fenster in die Art, wie über KI-Finanzen gesprochen wird. Offizielle Zahlen bleiben die Ausnahme, Hochrechnungen und Vergleiche dominieren. Wer weiß, woher eine Zahl kommt und wie sie gerechnet wurde, liest solche Berichte mit dem richtigen Maß an Vorsicht, anstatt sie als gesicherte Fakten über die Größe des Unternehmens zu übernehmen, sie ungeprüft weiterzugeben und daraus weitreichende Schlüsse über die Zukunft der ganzen Branche abzuleiten, die sich später als unhaltbar erweisen könnten.
Am Ende bleibt es eine Momentaufnahme. Nicht mehr und nicht weniger.






