Anthropic hat Investoren Zahlen für das dritte Quartal gezeigt. Der Umsatz liegt bei 16,8 Milliarden Dollar, das Wachstum fällt aber deutlich schwächer aus als zuvor. Der geplante Börsengang im November rückt damit in ein raueres Umfeld.
Was Anthropic den Investoren gezeigt hat
Mehrere US-Medien berichten übereinstimmend, dass Anthropic potenziellen Zeichnern bei einem privaten Treffen in San Francisco seine Quartalszahlen präsentiert hat. Der Umsatz im dritten Quartal 2026 lag demnach bei 16,8 Milliarden Dollar.
Das ist ein Plus von rund 45 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal, in dem noch 11,6 Milliarden Dollar zusammenkamen. Zum Vergleich: Der gesamte Jahresumsatz von 2025 lag bei rund 4,7 Milliarden Dollar. Ein einzelnes Quartal bringt dem Konzern heute also mehr als das Dreieinhalbfache eines ganzen Vorjahres.
Die Zahlen selbst hat Anthropic nicht öffentlich bestätigt. Sie stammen aus dem Kreis der Investoren und wurden über Medien verbreitet. Behandeln Sie sie deshalb als gut belegte Berichte, nicht als offiziell veröffentlichte Bilanz.
Warum der Umsatzsprung kleiner ausfällt als zuletzt
Der eigentliche Punkt steckt im Vergleich der Raten. Im zweiten Quartal war der Umsatz um mehr als 140 Prozent gegenüber dem ersten Quartal gestiegen, angetrieben von der rasanten Nachfrage nach dem Entwicklerwerkzeug Claude Code. Im dritten Quartal bleibt von diesem Tempo nur noch ein knappes Drittel übrig.
Das hat mehrere Gründe. Über die Sommermonate wird in vielen Büros weniger gearbeitet, entsprechend weniger Token werden verbraucht. Hinzu kam im September Konkurrenz: OpenAI brachte mit Astra ein starkes Modell auf den Markt. Anthropic antwortete Ende September mit Opus 5.5.
Ein langsameres Wachstum bei einem so hohen Ausgangsniveau ist normal, je größer die Basis, desto kleiner der prozentuale Zuwachs. Für den Börsengang zählt aber nicht nur die Richtung, sondern auch das Tempo. Genau dieses Tempo schwächt sich ab.
Zweites Quartal 2026
- Umsatz 11,6 Milliarden Dollar
- Plus von über 140 Prozent zum Vorquartal
- Wachstumstreiber: starke Nachfrage nach Claude Code
Drittes Quartal 2026
- Umsatz 16,8 Milliarden Dollar
- Plus von rund 45 Prozent zum Vorquartal
- Bremsfaktoren: Sommerflaute und neue Konkurrenz durch OpenAI Astra
Anthropic schreibt bereinigt schwarze Zahlen
The Information zufolge wies Anthropic bis einschließlich des dritten Quartals eine bereinigte operative Marge von elf Prozent aus. Bereinigt heißt, dass bestimmte Posten wie Aktienvergütungen herausgerechnet sind. Es ist das zweite Quartal in Folge mit einer bereinigten Profitabilität.
Die Financial Times meldet zusätzlich, dass der Konzern cashflow-positiv ist. Im dritten Quartal kam auf jeden Dollar, den Anthropic für Rechenleistung ausgab, ein Umsatz von 1,70 Dollar. In einem Geschäft, in dem Rechenleistung der größte Kostenblock ist, ist das ein aussagekräftiger Wert.
Die Kehrseite bleibt. Trainings- und Personalkosten sind hoch, und die Prognosen klammern teilweise aus, dass offene Modelle Teile des Geschäfts verdrängen könnten. Eine bereinigte Marge ist kein Gewinn im üblichen Sinn.
Destillation: 5 bis 7 Prozent des Umsatzes
Anthropic räumt ein, dass schätzungsweise fünf bis sieben Prozent seines Umsatzes aus Destillation stammen. Bei diesem Verfahren nutzen andere Firmen die Antworten eines Modells, um damit ein eigenes Modell zu trainieren. Anthropic hat wiederholt chinesische Labore beschuldigt, seine Modelle auf diesem Weg zu kopieren.
Mit wirksamen Gegenmaßnahmen dürfte dieser Umsatzanteil kurzfristig sinken. Für einen Börsengang ist das ein zweischneidiger Punkt: Der Umsatz sieht besser aus, solange die Nachahmung läuft, verschwindet aber, sobald sie unterbunden wird. Anleger sollten diesen Posten getrennt betrachten.
Was der IPO-Zeitpunkt für Anleger bedeutet
Anthropic plant den Börsengang für November. Einige Investoren haben ihre Bewertungserwartungen laut Berichten bereits gesenkt, auf unter 1,5 Billionen Dollar. Ein schwächeres Wachstum und ein angespanntes Marktumfeld drücken die Bewertung, bevor der erste Handelstag überhaupt begonnen hat.
Ändert sich für Nutzer etwas? Am Alltag zunächst nichts. Wer Claude beruflich einsetzt, sollte die Preisgestaltung im Auge behalten: Nach dem Börsengang steigt der Druck, den Umsatz zu rechtfertigen, und das kann auf Abo- und API-Preise durchschlagen. Die nächsten belastbaren Zahlen kommen mit dem Prospekt, das vor dem Gang an die Börse veröffentlicht werden muss.






