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"SpaceX verdient mehr mit Rechenleistung als mit Starlink"

Die Sparte Super Intelligence hat im dritten Quartal mehr Umsatz gemacht als das Satelliteninternet. Beides wächst, nur unterschiedlich schnell.

Anna WeberAnna Weber
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"SpaceX verdient mehr mit Rechenleistung als mit Starlink"

Die Sparte Super Intelligence hat im dritten Quartal mehr Umsatz gemacht als das Satelliteninternet. Beides wächst, nur unterschiedlich schnell.

Das Quartal in Zahlen

SpaceX hat für das dritte Geschäftsquartal, das im September endete, einen Umsatz von 14,6 Milliarden Dollar gemeldet. Das sind 161 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, als 5,6 Milliarden in den Büchern standen. Analysten hatten laut Visible Alpha mit 12,86 Milliarden gerechnet.

Unter dem Strich stehen 4,4 Milliarden Dollar Gewinn, pro Aktie 0,35 Dollar. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen noch 541 Millionen Verlust gemacht, ein Jahr zuvor sogar 55 Milliarden.

Der aussagekräftigere Wert für das operative Geschäft ist das Betriebsergebnis: 2,79 Milliarden Dollar, nach minus 143 Millionen im Vorquartal und gegen eine Erwartung von 2,33 Milliarden. Laut Fortune ist es das erste Betriebsergebnis seit dem Börsengang. Zwischen Betriebsergebnis und Nettoergebnis liegen Posten, die nicht zum Tagesgeschäft gehören; sie erklären den Abstand zwischen 2,79 und 4,4 Milliarden.

Warum Super Intelligence die Zahlen dreht

Die Sparte mit dem Namen Super Intelligence, kurz SI, hat 7,56 Milliarden Dollar umgesetzt. Erwartet waren 6,47 Milliarden, im zweiten Quartal standen 2,56 Milliarden in den Büchern, und damit ist der Sprung gegenüber dem Vorquartal fast eine Verdreifachung, gegenüber dem Vorjahr rund das Neunfache. Vor einem Jahr lag die Sparte bei 813 Millionen Dollar.

Damit stellt SI etwa 52 Prozent des Konzernumsatzes und liegt erstmals über dem Geschäft mit Konnektivität, zu dem Starlink gehört. Das ist die eigentliche Verschiebung in diesem Quartal.

Was SI verkauft, ist Rechenleistung. Zu den Kunden zählen Anthropic, Google, Grok und X. SpaceX betreibt dafür Rechenzentren und vermietet Kapazität, ähnlich wie ein Cloud-Anbieter, nur mit dem Unterschied, dass ein Teil der Infrastruktur für eigene Dienste und Modelle gebraucht wird.

Die Konnektivitätssparte, im Wesentlichen Starlink, kam auf 5,25 Milliarden Dollar Umsatz, 69 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis dieser Sparte hat sich mit 2,37 Milliarden Dollar fast verdoppelt.

Bei den Nutzern sieht das Bild anders aus. SpaceX gewann im Quartal 1,6 Millionen Verbraucherkunden dazu, Analysten hatten mit 2,29 Millionen gerechnet. Das Wachstum ist also weiterhin hoch, fällt aber hinter den Erwartungen zurück, und in einem Markt, in dem die Zahl der Abonnenten die zentrale Kennzahl ist, bleibt das nicht ohne Wirkung auf die Bewertung.

Die Raumfahrtsparte trug 1,77 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 6 Prozent. Sie ist damit der kleinste und langsamst wachsende Teil des Konzerns, was für ein Unternehmen mit Raketen im Namen eine bemerkenswerte Entwicklung ist.

Segment

Umsatz im Quartal

Veränderung

Super Intelligence

7,56 Milliarden Dollar

rund neunmal so hoch wie im Vorjahr

Konnektivität

5,25 Milliarden Dollar

plus 69 Prozent

Raumfahrt

1,77 Milliarden Dollar

plus 6 Prozent

Das Modell hat einen Haken. Wer Rechenleistung vermietet, verkauft eine Ware, deren Preis sinkt, sobald anderswo mehr Kapazität entsteht, und die Kunden sind selbst Unternehmen mit eigenem Ausbaubedarf. Anthropic und Google kaufen derzeit bei SpaceX, weil sie mehr Bedarf haben als eigene Kapazität, und wie lange diese Lücke bleibt, kann niemand mit Sicherheit sagen.

Was der Ausbau kostet

Die Investitionen summieren sich auf 19,6 Milliarden Dollar im Quartal, mehr als der Umsatz.

Mehr Ausgaben als Einnahmen.

Nach einer Auswertung von AI Weekly flossen davon 16,4 Milliarden in den Ausbau der KI-Infrastruktur; diese Aufteilung stammt aus der Berichterstattung, nicht aus dem SEC-Dokument.

Wie lange lässt sich das durchhalten? Solange die Kapazität knapp bleibt und Kunden langfristig buchen, trägt die Rechnung. Wird der Markt locker, wird es eng.

Die Schätzungen für die kommenden Jahre gehen weit darüber hinaus. Melissa Otto von Visible Alpha erwartet, dass die Investitionen von rund 70 Milliarden im Jahr 2026 auf 197,4 Milliarden im Geschäftsjahr 2028 steigen. Für die Verschuldung rechnet sie mit einem Anstieg von 50,7 Milliarden im Jahr 2025 auf 350 Milliarden im Jahr 2029. Beides sind Prognosen eines Analysehauses, keine Zusagen des Unternehmens.

Für Anleger ist das der Kern des Quartals: Das Geschäft wirft Geld ab, aber der Ausbau verschlingt mehr, als es einbringt. Wer Rechenzentren baut, zahlt zuerst und verdient später. Ob die Nachfrage nach Rechenleistung lange genug so hoch bleibt, ist die offene Frage hinter diesen Zahlen.

Was sonst in den Zahlen steckt

SpaceX ist seit Juni 2026 an der Börse, entsprechend sind die Vergleichswerte aus dem Vorjahr nur begrenzt aussagekräftig. Ein Jahr zuvor stand ein Verlust von 55 Milliarden Dollar in den Büchern, was die prozentualen Sprünge in dieser Bilanz erklärt.

Anfang des Monats hat das Unternehmen zugestimmt, das 800-MHz-Spektrum von Grain Management zu kaufen. Die Wall Street Journal nennt einen Preis von rund 8 Milliarden Dollar, die Transaktion wartet noch auf die Genehmigung der FCC. Acht Milliarden für Funkfrequenzen sind viel für ein Unternehmen, das gleichzeitig Rechenzentren baut.

Einen Tag vor den Zahlen sagte Elon Musk, er wolle jedem Kind in den USA SpaceX-Aktien schenken. Bei rund 72 Millionen Minderjährigen ergäbe das einen Wert von etwa 10,5 Milliarden Dollar, so die Rechnung von Medien. Ein Beschluss dazu steht aus, und wie eine solche Verteilung rechtlich und steuerlich überhaupt funktionieren soll, weiß derzeit niemand im Unternehmen zu sagen.

Was daraus folgt

Aus einem Raketenunternehmen ist ein Unternehmen geworden, das den größeren Teil seines Umsatzes mit Rechenleistung macht. Das ist keine Randnotiz für die Bilanz, sondern eine Verschiebung der Geschäftslogik.

Wer die Aktie verfolgt, sollte in den nächsten Quartalen auf drei Dinge achten: ob SI die Nachfrage ohne neue Preissenkungen halten kann, ob Starlink bei den Nutzerzahlen wieder aufholt, und ob der Ausbau im geplanten Tempo finanzierbar bleibt. Die Zahlen dieses Quartals geben auf alle drei Fragen nur eine vorläufige Antwort.

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